Problem Mikroplastik

Es gibt immer mehr Initiativen und Projekte, die  das Meer vom Plastik befreien wollen.

Über 140 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen schätzungsweise in den Ozeanen. Jedes Jahr kommen mindestens 10 Mio. Tonnen dazu. Bis 2050 könnte der Plastikmüll in den Meeren mehr wiegen als alle Fischschwärme zusammengenommen, warnen Forscher einer neuen Studie. Diese Projekte und Initiativen kämpfen dagegen an.

1. The Ocean Clean Up

Das wohl bekannteste Projekt der letzten Jahre ist „The Ocean Cleanup“, das vom Niederländer Boyan Slat initiiert wurde. Er hat ein System zum Auffangen des in den Meeresströmungen treibenden Plastikmülls entwickelt, das den Müll mithilfe von v-förmigen Fangarmen in einer am Meeresboden fixierten Plattform sammelt. Neben der Meeressäuberung beschäftigt sich das Projekt auch mit dem Recycling des gesammelten Plastiks.

Auslöser für das Vorhaben war eine Urlaubsreise nach Griechenland in 2011. Der damals 16-Jährige hatte beim Tauchen mehr Müll als Fische vorgefunden. Seitdem hat er einen Traum: die Ozeane vom Plastikmüll befreien. In seinem Vortrag bei TEDx talk spricht er darüber, wie der Müll in die Ozeane gelangt, Umwelt und Tiere gefährdet – und letztendlich über die Nahrungskette auch den Menschen. Das Video ging im März 2013 viral und begeisterte tausende Freiwillige für das auf der TEDx-Konferenz vorgestellte und an der Technischen Universität Delf entwickelte Konzept. 2013 startete die erste Crowdfunding-Kampagne, um eine Machbarkeitsstudie zu finanzieren. An der Machbarkeitsstudie arbeiteten über 100 Wissenschaftler und kamen zu dem Ergebnis kamen, dass das Projekt lohnend sei. Daraufhin wurden im Jahr 2014 die benötigten 2 Millionen Euro ebenfalls per Crowdfunding gesammelt.

Seit Herbst 2018 ist das System mit Unterbrechungen im pazifischen Müllstrudel im Einsatz. Mehr dazu hier.

2. Everwave

Everwave, ehemals Pacific Garbage Screening wurde von der Aachener Architektin Marcella Hansch ins Leben gerufen. In ihrer Masterarbeit entwarf sie eine 400 mal 400 Meter große Plattform, die durch ihre spezielle Konstruktion auch kleinste Kunststoffpartikel aus dem Wasser filtern soll. Mit dem Namenswechsel im Jahr 2020 ging ein Strategiewechsel einher. Eine zeitlang fokussierte sich das Projekt ausschließlich auf die Säuberung der Meere, doch inzwischen verfolgt Everwave einen ganzheitlichen Ansatz: Die Organisation betreibt Umweltbildung an Schulen, die Reinigungsaktionen finden bereits in Flüssen statt damit von dort aus der Plastikmüll erst gar nicht ins Meer gelangen kann. Die schwimmenden Flussplattformen nehmen den mit der Strömung treibenden Müll auf und speichern ihn. KI-gestützte Müllsammelboote säubern gezielt Müll-Hotspots – selbst an schwer erreichbaren Stellen. Anschließend wird der Müll recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet. Wenn du das Projekt mit einer Vereinsmitgliedschaft oder über Spenden unterstützen willst, kannst du dies auf der Everwave-Website tun.

3. SeeKuh

Die Umweltorganisation One Earth – One Ocean (OEOO) hat mit der “Maritimen Müllabfuhr” ein Konzept entwickelt das Gewässer weltweit von Plastikabfällen, Öl und Chemikalien befreit. Die erste SeeKuh wurde 2016 als ein speziell konzipierter Katamaran mit 10 x 12 Metern und Sammelnetzen zwischen den beiden Rümpfen in Dienst gestellt. Mit der SeeKuh ist nicht nur das Einsammeln von Plastikmüll möglich, sondern auch direkte Wasseranalysen an Bord. Der gesammelte Plastikmüll wird anschließend zum Müllverwertungsschiff SeeElefant gebracht und dort recycelt bzw. in schwefelfreies Heizöl umgewandelt. Die SeeKuh ist modular entworfen, sodass eine Demontage und ein Transport an jeden Ort der Welt möglich sind.

Inzwischen wurde das Konzept weiterentwickelt: Die Organisation hat im Mai 2021 ein neues Schiff gebaut, das vorrangig für die weltweite Sammlung von Plastikmüll in Mündungsgebieten und an Küsten vorgesehen ist. So kann Plastikmüll entfernt werden, bevor er sich zu Mikroplastik zerkleinert bzw. in die Tiefe absinkt. Die SeeKuh 2.0 sieht komplett anders aus: Das Sammelsystem basiert nicht mehr auf absenkbaren Netzen, sondern auf einer Förderbandtechnik. Dadurch erwartet man sich eine höhere Effizienz und gleichzeitig ist die Aussortierung von organischem Material möglich.

One Earth – One Ocean wird ausschließlich durch Spenden finanziert und erhält für die vielfältigen Projekte und Aktionen keinerlei finanzielle Unterstützung von Seiten der öffentlichen Hand. Wie du die Organisation unterstützen kannst, findest du auf der OEOO-Website.

4. Healthy Seas

“Geisternetze”, so heißen die verlorengegangenen und zurückgelassenen Fischernetze, die in den Ozeanen treiben. Die Netze verbleiben Hunderte von Jahren im Ökosystem der Meere und stellen ein erhebliches Problem für die Meeresbewohner dar: Meeresvögel, Delphine, Schildkröten und andere Tiere können sich darin verheddern und sterben. Die in 2013 gegründete Initiative „Healthy Seas“ entfernt mit freiwilligen Tauchern die Netze aus dem Meer und stellt daraus spezielle Nylon-Fasern her, die als Rohstoff für nachhaltige Produkte wie Strumpfware, Badebekleidung, Unterwäsche und Teppiche gebraucht werden. Wie du die Initiative unterstützen kannst, erfährst du hier.

5. Seabin

Die zwei australischen Surfer Peter Ceglinski und Andrew Turton wollten etwas gegen den Müll an Surf-Stränden unternehmen. Per Crowdfunding sammelten sie Geld und entwickelten eine „Mülltonne“, die an der Wasseroberfläche schwimmt und mithilfe einer elektrischen Pumpe das Plastik aus dem Wasser filtert. Der Müll wird in einem Sack aus Naturfasern aufbewahrt und später recycelt. Die Seabins werden weltweit seit 2017 in einigen Häfen eingesetzt. Mehr Info zum Projekt findest du hier.

So großartig all diese Projekte und Initiativen auch sind – sie leisten erste Hilfe und bekämpfen die Symptome –  nicht die Ursachen. Das Plastikproblem muss in Zukunft ganzheitlich gelöst werden: zum einen durch Gesetze und durch ein ausgeklügeltes Abfallmanagement im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft. Zum anderen ist jeder von uns gefragt, seinen Umgang mit Müll zu überdenken.

Bildquellen

  • Problem Mikroplastik: iStock.com/DisobeyArt